SEO stirbt, prognostiziert der shopbetreiber-blog.de in einer gewagten These von iBusiness.

„Totgesagte leben 2015 nicht mehr länger: SEO als eine Strategie verblasst in die Bedeutungslosigkeit.“ – behauptet iBusiness. Doch was will uns iBusiness eigentlich damit sagen? So genau wissen wir es nicht. Denn außer eine Skelettpuppe im Maisfeld, bekommen wir ohne Registrierung erstmal nichts weiter zu sehen. So sind wir tatsächlich gezwungen zusätzliche Daten außer der Email-Adresse anzugeben, um den Beitrag mit der reißerischen Überschrift begutachten zu können. Ich habe es gewagt, um etwas mehr darüber zu erfahren.

So soll also „SEO … in 2015 sterben oder zur Bedeutungslosigkeit verblassen.“ Dabei hat iBusiness selbst erkannt, dass SEO eine „Strategie“ ist. Es nicht also nicht SEO selbst, sondern der SEO-Dienstleister, welcher vom Aussterben bedroht ist. Zugegeben – der Begriff SEO (Search Engine Optimization ) ist heute mittlerweile abgegriffen und stellt meiner Meinung nach schon längst nicht mehr das dar, was darunter zu verstehen ist. Der Begriff ist überholt und deckt nur einen Bruchteil dessen ab was heute gefragt ist.

Reines technisches SEO ist nur eine von vielen Disziplinen die es heute für Webseitenbetreiber und Agenturen zu bewältigen gilt und nur ein Bruchteil dessen ausmacht, was heute von Bedeutung für den eCommerce ist. Vielmehr liegt der Erfolg in einer ganzheitlichen Betrachtungsweise.

SEO ist bis heute im Mittelstand ein böhmisches Dorf

So wird in vielen mittelständischen Unternehmen heute noch SEO falsch verstanden und mit vielen anderen Maßnahmen gleichgesetzt oder vermischt, was es eigentlich nicht richtig  ist. Grund hierfür ist, dass SEO im Vergleich zu anderen relevanten Maßnahmen eine so starke Bekanntheit hat, dass diese viele andere wichtige Maßnahmen überlagert. Dadurch ergeben sich falsche Vorstellungen und Schlussfolgerungen, was unter SEO eigentlich zu verstehen ist, bzw. welche Chancen (und Kosten) SEO im Vergleich zu anderen Maßnahmen erreicht oder erreichen kann.

So vertraut man seine eigene Webseite allzu zu oft Agenturen an, die nur durch die SEO Brille blicken und basierend auf einer schlechten Webseite Maßnahmen anbieten, die spätestens bei neu generierten Besuchern verpuffen. Usability, funktionierende Prozesse, URL Struktur und der freie ungetrübte Blick auf den Kunden mit gesundem Menschenverstand sind viel wichtiger geworden und lassen sich durch SEO nur ergänzen.

Wer vor der eigenen Haustüre – sprich der eigenen Webseite – nicht kehrt und hier die richtigen Maßnahmen ergreift kann lange in SEO-Maßnahmen investieren die Schlussendlich nur verpuffen oder schlichtwert gerade im Mittelstand nicht ausreichend gemessen werden (können). Da reichen auch Schulterklopferstatistiken nicht, um weitere SEO-Budgets zu rechtfertigen, welches direkt in kränkelnde und schlecht gepflegte Webseiten und Online-Shops besser investiert wären.

SEO wird sich neu erfinden müssen

Und SEO wird gezwungen sein durch den technischen Wandel, die veränderten Nutzererwartungen und neue digitale Generationen nur noch als ein zusätzlicher Randbereich eine untergeordnete Rolle zu spielen. Dabei wird SEO dennoch so wichtig bleiben wie bisher. Jene, welche bisher SEO jedoch als das Maß aller Dinge, den heiligen Grahl der Optimierung und Cash-Cow der Agenturen gesehen haben, werden sich öffnen müssen und einen gesamtheitlichen Blick erlernen müssen.

SEO wird also sterben und neu auferstehen müssen. SEO im Einzelnen zu betrachten ist zu kurz gedacht. Es verschlingt eine Menge Geld, insbesondere wenn es durch externe Unternehmen umgesetzt wird. Keine Frage, es gibt eine Darseinsberechtigung derer. Doch wenn ein Unternehmen selbst die Regeln nicht verstanden hat, führt ein Outsourcing hier meines Erachtens nicht zum dauerhaften Erfolg – sogar eher zum Frust – weil der Auftraggeber das Thema nicht versteht. Er wird langfristig nur darin investieren, wenn es für ihn einen messbaren Sinn/Erfolg gibt oder die Portokasse groß genug ist.

Die Online-Disziplin ist vielfältiger geworden und nicht mehr allein von SEO abhängig. Auch Google will es so und zwingt alle Beteiligten zum Umdenken – auch wenn es nicht immer die richtige Richtung ist. Google & Co. machen Webseitenbetreiber mit Google Shopping, Rich Snippets & Co. weiter abhängig. Nutznieser sind beide. Und doch hängt einer am Tropf des Anderen.

Müsste mal vielleicht sogar vielmehr die Frage stellen: „Lassen sich Webseitenbetreiber immer mehr abhängig machen?“

Und insoweit hat iBusiness vollkommen recht, dass SEO Agenturen selbst über den Tellerrand schauen müssen. Dabei wird iBusiness dennoch weiterer Bullshit-Wörter wie „Kontaktdisziplinen“ und „Konvergenzmarkt“ nicht überdrüssig – wie sie nicht einmal in einem eCommerce-Duden stehen. Bullshit! Doch nicht nur die „SEOs“ sind gefragt.

Auch die Unternehmer, die Ihren eigenen Online-Shop bis heute nicht als vollintegrierten digitalen Mitarbeiter betrachten und die Chancen des eCommerce erkennen. Sie werden lernen müssen das Thema eCommerce ganzheitlicher zu verstehen und besser in das eigene Unternehmen zu integrieren. Und Sie sind gefordert „den SEO“ auf den Boden der Tatsachen zu zwingen, damit dieser endlich in einer verständlichen Art und Weise mit seinem Auftraggeber artikuliert.

Märkte sind Gespräche. Gespräche durch Menschen. Im Dialog auch digital immer mehr in der Zukunft. Wer denkt da nicht gleich an das Cluetrain Manifest, welches bis heute doch irgendwie Gültigkeit hat. Viel zu wenig wird dabei das Gegenüber, der Mensch betrachtet und gerät bisweilen in Vergessenheit. Fokus auf Statistiken, Conversions, CTRs werden in der Zukunft entmenschlichen.

SEO müsste eigentlich HOO heißen

„Human Online Optimization“ [äitsch oh oh] Ja das wäre was. Es würde alles, aus was und für was, eCommerce besteht zusammenfassen. Dem Nutzer, dem Verbraucher, dem Händler, dem Admin, dem Menschen.