Same day delivery – war eines der neuen Bullshit Bingo Wörter in 2014 und ist es weiterhin. Schon zu lange wird das Thema im eCommerce Bereich deutlich überstrapaziert. Und ich scheine nicht alleine mit dieser Meinung.

So what? – fragt sich der Onliner. Wäre doch toll, wenn der Kunde seine Bestellung noch am selben Tag erhält. Ob per Lieferservice oder per Drohne ist doch egal. Hauptsache man verkürzt die Bestellung zum hier und jetzt.

Doch „Same day delivery“ wird leider in der Berichterstattung noch nicht differenziert genug betrachtet. So suggerieren zahlreiche Berichte oft noch den Eindruck, dass die Belieferung am selben Tag für die Zukunft des Online-Handels das Maß aller Dinge sei. Doch es ist weder von den Kunden gewünscht oder gefordert, noch haben die meisten Online-Händler einen Grund Ihre Prozesse noch mehr zu beschleunigen.

Bei Same Day Delivery muss differenziert werden

Grundsätzlich scheint Same Day Delivery eine Idee der Logistik, um sich mehr vom Wettbewerb abzugrenzen und mit zusätzlichen Services zu punkten. Darüber hinaus gibt es in der Tat Anwendungsfälle wie z.B. Lebensmittel, deren Lieferung regional und auf begrenztem Raum sinnvoll sein kann. Dies sticht jedoch oftmals noch nicht deutlich genug heraus. Keineswegs ist es für den Ottonormalverbraucher ein wichtiges Kriterium, ob die bestellte Ware noch am selben Tag zugestellt wird.

Erst sobald eCommerce auch und immer mehr in den Fokus des stationären Fachhandels rückt, kommt Same Day Delivery erst als sinnvolle Ergänzung wirklich zum Tragen.

Auf wessen Rücken?

Same Day Delivery (SDD) schafft in Abwägung seiner Vorteile nämlich auch viele Verlierer:

  • Der Zulieferer der heute schon abgehetzt von Haustür zu Haustür eilt, da noch mehr logistischer Aufwand für Belieferung unserer schnelllebigen Welt nötig wird.
  • Der Händler, bei dem deutlich mehr Anrufe eingehen werden, weil er der Erwartung die Ware zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erhalten nicht nachkommen kann.
  • Die Umwelt, denn eine „umweltfreundliche“ GoGreen Belieferung – wie sie z.B. von DHL angeboten wird – ist kaum vereinbar mit dem zusätzlichen Sprit, der verfahren werden muss, um die Ware „adhoc“ am selben Tag anzuliefern.
  • Und nicht zuletzt der Kunde, der – auch wenn er ggf. versandkostenfrei beliefert – die Kosten irgendwie mittragen wird.

Wer hats’s erfunden?

Same Day Delivery ist keine Erfindung der Kunden oder der Händler. Vielmehr scheint die Idee von den Versanddienstleistern aus der Not geboren zu sein, um sich mit neuen Services abzugrenzen. Nun wird an der Marketingorgel gedreht, bis alle glauben sie brauchen es. So lange die Kundschaft es nicht flächendeckend erfordert, wird Same Day Delivery wenn überhaupt in sehr begrenztem Umfang ein Nischendarsein führen.

Fazit

Ja, Same Day Delivery kann sinnvoll sein. Für bestimmte Produkte und bestimmte Kundengruppen. Das wird leider noch zu wenig erwähnt. Wenn man sich durch einschlägige Quellen liest bekommt man den Eindruck, dass man etwas verpasst, wenn man Same Day Delivery als Online-Shop nicht anbietet.

Doch der Siegeszug wird meiner Meinung nach nicht passieren. Produkte für die sich diese Art der logistischen Abwicklung eignet – z.B. für bestimmte Lebensmittel oder Medikamente – werden ganz vielleicht profitieren. Aber das Geburtstagsgeschenk für die Frau oder Freundin, welches man seit Wochen vergessen hat zu besorgen, fällt sicher nicht unter die Kategorie für Same Day Delivery.

Könnten die Produkte für die Same Day Delivery wirklich sinnvoll wäre nicht auch irgendwo „um die Ecke“ selbst besorgt werden? Vielmehr wäre es wünschenswert, dass Shop-Betreiber andere und teils nicht optimierte Prozesse im Servicebereich nacharbeiten, statt neuen Trends hinterher zu jagen, welche nur einem Bruchteil der Klientel dienen.