Ein wahrlich kleiner Shitstorm hatte sich da bzgl. der fragwürdigen allgemeinen Preispolitik zusammengebraut, als Jürgen Kroder auf basicthinking.de über den unterschiedlichen Preis einer SD-Karte berichtete und auch im Nachbericht nochmals aufgriff. Dies ist schon einige Zeit her.

Aus eCommerce-Sicht sicher ein Unding. Was erlauben Media Markt? Das identische Produkt in verschiedenen Abteilungen zu unterschiedlichen Preisen.
Das kann doch nicht sein?! Doch kann es!

Ursachen unterschiedlicher Preise

Warum denn auch nicht? Sicher wird es niemandem gefallen, wenn man aus dem Geschäft läuft und kurze Zeit später das identische Produkt für weniger Geld findet. Oder sogar noch in der benachbarten Abteilung. Doch gerade in unserer schnelllebigen Welt, in der der Fernseher eine Woche später schon als Schnäppchen zu haben ist ergibt sich eine differenzierte Preispolitik auch zum gleichen Zeitpunkt nur wenige Meter weiter – in eben einer anderen Abteilung.

Preis-Differenzen zwischen den Abteilungen

Eine These ist hierbei, dass die verschiedenen Abteilungen wie “Computer” und “Foto” durchaus auch unterschiedliche Einkaufskanäle haben könn(t)en. Die Lieferanten der jeweiligen Abteilungen können ebenfalls unterschiedliche EK-Preise haben und dadurch eine unterschiedliche Preiskalkulation bedingen. Auch ist denkbar, dass die generelle Preiskalkulation der Abteilungen eine andere ist.

So wäre es durchaus denkbar, dass ein Hobby-Fotograf durchaus bereit ist ein paar Euro mehr für ein Produkt wie eine SD-Karte zu bezahlen als ein preissensitiver Computerkäufer. Oder, dass die identischen Artikel zu unterschiedlichen Zeiten bestellt wurden, und dabei höhere oder geringe Einkaufspreise für die Preiskalkulation zum Tragen kommen.

Dies alles sind mögliche Gründe, welche in der vergleichbaren Welt des Internet kaum Beachtung finden.

Preis-Differenzen durch den Mensch in ERP-Prozessen

Eine weitere Möglichkeit unterschiedlicher Preise besteht darin, dass die verschiedenen Abteilungen durchaus auch heute noch die entsprechenden Artikel im Warenwirtschaftssystem manuell anlegen. Da kann es vorkommen, dass der bereits im ERP vorhandene Artikel entweder nicht berücksichtigt/geprüft wird oder bei einer Recherche durch den Mitarbeiter im eigenen ERP nicht aufgefunden wird. So wird der Artikel kurzer Hand doppelt und mit einem anderen Preis angelegt.

Die Berücksichtigung des EAN Code zur eindeutigen Zuordnung sehe ich hierbei als zweitranging an, da es durchaus wie im Beitrag auf basicthinking.de beschrieben vorkommen kann, dass das identische Produkt durch Aktionen des Großhändlers oder unterschiedliche Einkaufskanäle einen anderen EAN Code erhält, wie es bisher im Warenwirtschaftssystem vorhanden ist.

Schwups, schon ist der identische Artikel mit einem neuen Preis da. Denn so perfekt synchronisiert sind die Systeme nicht, dass eine bundesweite “Gleichschaltung” erfolgt, die immer an jedem Ort, zu jeder Zeit und in dem Absatzkanal, den gleichen Preis gewährleisten.

Artikel-Stammdatenpflege in der Masse an zig-tausenden von Artikeln lässt sich menschlich und auch mit Hilfe von ERP-Software kaum noch lückenlos überblicken, auch wenn es noch so ausgeklügelte Systeme gibt. So käme es – selbst wenn eine einheitliche Preisstruktur gewünscht wäre – unweigerlich zu Unterschieden durch den Faktor Mensch.

Im Gegensatz dazu gibt es zumindest aus meiner Erfahrung im stationären “Fachhandel” kaum eine Möglichkeit zu handeln, wenn das gewünschte Produkt, welches als Ladenhüter mittlerweile “in die Monate” gekommen ist, zu einem deutlich günstigeren Preis online zu erstehen ist.

Das Produkt ist den Preis “wert”

Kurzum, es kommt nicht auf den Preis an. Es kommt darauf an, was das Produkt dem Konsumenten “wert” ist. Und das ist heute bei dem schnellen Werteverfall schwer zu beantworten. Die Entscheidung für den Kauf wird im “hier und jetzt” getroffen. Auch unter Berücksichtigung von anderen vergleichbaren Angeboten und zahlreichen weiteren Einflüssen.

Dennoch. Was ist mir das Produkt – welches ich womöglich gerade in den Händen halte – jetzt wert? Welche Emotionen spielen bei “ich will haben” mit? Erhalte ich eine gute Beratung. Bekomme ich weitere Tipps und wichtige Hinweise, die es bei einem nackten Kauf nicht gäbe? Was sind mir zusätzliche Informationen und Services wert? Alles andere ist Schnee von gestern.

Den gläsernen Preis gibt es nicht!

Auch wenn wir tagtäglich mit unserem Smartphone unterwegs sind und ggf. auch vor Ort Preise mit dem Rest des Internets vergleichen, zählt doch immer das hier und jetzt.

Bin ich bereit für meine jetzige Anforderung den Preis zu zahlen oder nicht? Brauche ich es gleich heute oder kann ich auf die Lieferung aus einer Online-Bestellung warten. Brauche ich Beratung? Bin ich mit dem Mitarbeiter in der Fotoabteilung zufrieden? Hat er mir vielleicht schonmal “aus der Patsche” geholfen und mich gut beraten?

Den Preis nur auf das Produkt runter zu brechen ist zu kurz gedacht. Wer in den regionalen Handel geht weiß ganz genau, dass er damit auch die dortigen Arbeitsplätze finanziert und – unter Umständen – auch eine Beratung erwarten kann.

Wie René in den Kommentaren auf basicthinking.de auf den Punkt bringt, bleibt nur die Möglichkeit den Handel über den Online-Vertriebskanal “auszutricksen”. Eine schlaue Idee, wenn man es darauf anlegt.

Doch über was regen wir uns eigentlich auf?

Haben wir die Kontrolle verloren! Über den Preis? Nein, vielmehr vielleicht über uns selbst. Zu sehr beschäftigen wir uns mittlerweile damit, so viele (preis)technische Informationen wie möglich über ein Produkt zu sammeln und uns von der Marke selbst beinflussen zu lassen. Die Marketingpsychologie spielt hierbei eine entscheidende Rolle.

Fazit

Der Preis / Wert ist das, was wir im Angesicht der Gegenwart dafür bereit sind zu zahlen. Nicht mehr und nicht weniger.