Der Blick von außen – über den Tellerrand kann manchmal Welten öffnen. Das gilt auch beim eigenen Online-Shop. Oft genug hat man sich selbst an der manchmal wichtigsten Verkaufsplattform des Unternehmens satt gesehen und erkennt nicht mehr die kleinen Details, welche man verbessern könnte. Die klassische Betriebsblindheit, welche schneller eintritt als man erwartet, ist dann erreicht.

“Der Online-Shop macht doch Umsatz” – das passt schon, kenne ich als Totschlagargument zu genüge. Dabei übersieht man das weitere Potential und entwickelt sich und möglicherweise seinen zukünftig wichtigsten Absatzkanal nicht aktiv weiter. Das geht zwar nicht direkt “nach hinten” los, birgt aber die Gefahr, dass Marktbegleiter es besser machen und dann an einem vorbeiziehen.

Deshalb sollte man sich ab und an selbst auf den Prüfstand stellen und auch mal den eigenen Online-Shop von außen betrachtet bewerten, kritisieren und durch neue Ideen weiterentwickeln lassen. Aber auch von sich aus sollte man den Blick nach außen schärfen.

Kunden einbinden – Feedback erfragen

Gerade KMUs haben oft einen festen Kundenstamm mit langjährigen Geschäftsbeziehungen. Da tut man sich manchmal gegenseitig auch einen Gefallen. Deshalb ist nichts kostengünstiger als das direkte Feedback dieser Kunden aktiv abzufragen, um weitere Verbesserungsvorschläge zu erhalten, statt Unsummen für einen klinisch reinen Usabilitytest auszugeben – welcher zu einem gegebenen Zeitpunkt aber auch wichtig ist. Die Conversionclinic ist da schon ein praktikables Beispiel.

Denn gerade die Meinungen und Verbesserungsvorschläge der echten eigenen Kunden sind in der Praxis viel wert. Aber meist muss dies auch aktiv eingefordert werden und sollte idealerweise auch mit einem Bonbon wie z.B. einem Rabatt etc. garniert werden.

Dennoch sollte die Maßnahme, die eigenen Kunden um ihre Meinung zu bitten sicher nicht die einige Wahl sein, wenn man seinen Online-Shop für die eigene Zielgruppe verbessern möchte. Aber es ist ein erster Ansatz, auf welchem man aufbauen kann und sollte, um sich dann weiterführend aktiv und regemäßig mit der Thematik zu befassen.

Viele Köche… – würzen die Suppe

Je nachdem wie man einen solchen Plan umsetzt können die eingehenden Meinungen und Verbesserungsvorschläge doch auch etwas unübersichtlich werden. Deshalb ist es sinnvoll diese unbedingt auch strukturiert zu erfassen und zu bewerten.

Sei es, dass die Kunden bereits so internet-affin sind dass diese z.B. per Uservoice die Vorschläge eigenständig einkippen oder man das Feedback telefonisch, per E-Mail und Kontaktformular einholt und dann intern entsprechend strukturiert.

  • Erfassen
  • Strukturieren
  • Bewerten
  • Priorisieren
  • Planen
  • Umsetzen

Je früher man solche Möglichkeiten überhaupt nutzt, desto eher kann man auch seinen Online-Shop verbessern und die Akzeptanz erhöhen. Manchmal sind es ganz profane Dinge, die die Kunden stören oder einfach nicht schnell genug finden.

Erst die Arbeit – dann die Ernte

Wer allerdings der Meinung ist, dass dies mit ein paar Stunden Aufwand erledigt ist, wird schnell merken, dass hier weitaus mehr Zeit drinsteckt, wenn man sich mit der Thematik eingehend befasst. Ein paar Tage Arbeit von der Einarbeitung, Planung, Kundenansprache, Auswertung und schlussendlichen Umsetzung gehen dafür auf jeden Fall drauf. Insgesamt ist dies natürlich nicht zu unterschätzen.

Konkurrenzanalyse nicht vergessen

Ein weiterer wichtiger Aspekt außer die Kunden “im eigenen Aquarium dümpeln zu lassen” ist auch die Recherche bei der Konkurrenz. Gut, die eigenen Kunden möchte man ungern zu den Mitbewerbern schicken und mit einem Blumenstrauß an tollen Dingen zurückkehren lassen, was “die” alles besser machen.

Hier ist man auf jeden Fall selbst gefragt und merkt nach einer gewissen Einarbeitung und ungestörten Recherchearbeit langsam wie sich auch der eigene Sinn für andere Seiten der Branche schärft. Der Blick über den Tellerrand hin zu den Marktbegleitern bedingt und zwingt einen, die eigene Betriebsblindheit hinter sich zu lassen.

Auch das braucht Zeit und eine konzentrierte und aber offene und unvoreingenommene Arbeitsweise.

Denn der tollste Hecht im Teich…

… ist nicht dein Online-Shop. Nur vielleicht. Aber weißt du es wirklich? Wenn man sich dem Thema aktiv annimmt wird man sicherlich gute und weniger gute Beispiele finden, wie ähnliche oder identische Produkte im Online-Shop beworben, beschrieben und verkauft werden.

Dabei geht es nicht um das generelle “Vergleichen” mit anderen Online-Shops im gesamtheitlichen Sinne. Sondern vielmehr darum die kleinen Details, Verbesserungen, Anregungen oder auch negative Beispiele zu erkennen und deren Nutzen für den eigenen Online-Shop abzuwägen.

Keiner kennt die Zielgruppen, die Produkte und die Branche besser als man selbst.

Man ist auch selbst quasi dazu gezwungen sich selbst offener und freier damit zu beschäftigen, als immer nur auf dem eigenen Online-Shop die eigenen Bilder und Produktbeschreibungen anzuschauen. Wenn man es kann und will.

Was früher Kataloge waren…

.. sind heute die Webseiten der Mitbewerber. Das klassische Handelsunternehmen tat früher gut daran einen Schwung Konkurrenz-Kataloge in der Schublade zu liegen haben, um deren Darstellung, Preise und Marketing zu überprüfen und zu vergleichen.

Beliebt war es schon immer über “gute” Kunden einen Katalog des Konkurrenten zu ergattern, um nicht selbst den eigenen Namen preis zu geben. Und gerade heute ist das Internet in dieser Sicht ein Dorf und jederzeit weitestgehend frei zugänglich. Man muss es sich nur zu Nutze machen.

Gleichwohl die Messbarkeit der eigenen Platzierung in den SERPs einfacher ist denn je.

Dennoch plädiere ich auch für die “klassische Methode Mensch”, um zu analysieren und zu bewerten. Denn je mehr man sich der heutigen Technik verschreibt, desto mehr verlernt man den eigenen Wert was Handel in dieser Form eigentlich bedeutet.