Ich kann es nicht oft genug in meinen Gesprächen mit Kunden wiederholen. Ein Online-Shop ist und wird in der Zukunft noch viel mehr ein “vollwertiger digitaler Mitarbeiter” in jedem Unternehmen sein als bisher. Falls er es eigentlich nicht schon ist – oder sein sollte.

“Der Shop kostet nur Geld”, höre ich immer wieder. Doch Umsatz macht er ja zumindest auch und das, je nach Unternehmen nicht zu knapp. Meist heimlich, im Stillen, digital. Für viele Unternehmen ist dieser “stille” Umsatz immer noch sehr abstrakt, wird nicht in seiner Relevanz gemessen und läuft deshalb oft “unter dem Radar” der üblichen klassischen Vertriebskanäle.

Das Schlimmste ist, wenn er nicht getrennt von anderen Umsatzkanälen gemessen und entsprechend gefördert wird.

Deshalb möchte ich für den “Mitarbeiter Online-Shop” eine Lanze brechen.
Er hat es eigentlich nicht verdient so behandelt zu werden. Schon gar nicht für die Zukunft.

Lasst uns lieber von Investitionen sprechen

Während dem lebendigen Mitarbeiter jeden Monat ein entsprechendes Gehalt – über Jahre hinweg – gezahlt wird, muss sich ein Online-Shop oftmals mit einem knappen Budget für das initiale Projekt begnügen und fristet danach oft genug als Anhängsel des Unternehmens ein tristes Dasein neben der (hoffentlich) gut bezahlten Vertriebsabteilung.

So wie man in die personelle Belegschaft ebenfalls mit dem monatlichen Gehalt “investiert”, sollte man dies konsequent geplant auch mit seinem Online-Shop halten. Denn dieser ist nichts anderes als der verlängerte Arm der Mitarbeiter und des Unternehmens. Schließlich macht er je nachdem einen deutlichen Umsatzanteil pro Monat aus.

Die richtige, geplante, dauerhafte und angemessene Investition in einen guten und zukunftsweisenden Online-Shop zahlt sich auch im Mittelstand aus und rettet ergänzt manches Geschäft an der Straßenecke durch die vergrößere Reichweite.

Doch dabei hat manches Unternehmen / Unternehmer immer noch seine liebe Mühe mit dem Thema eCommerce. Entweder man war von Anfang an mit dabei und wird nun langsam aber sicher von den bisher händischen Prozessen bei der Auftragsabwicklung überrollt. Oder man beginnt erst jetzt aus der Not oder dem Bauch heraus die Entscheidung für dieses absonderliche Online-Geschäft zu treffen.

In beiden Fällen heißt die richtige Reaktion vielmehr “Investition”. Aber nicht nur monetär, sondern auch den eigenen Blick im digitalen Geschäft zu schärfen, sich Wissen und Kenntnisse in diesem Bereich aktiv anzueignen, um auch in der Zukunft am Ball zu bleiben.

Rechtzeitige Investition statt Kapitulation

Nach zahlreichen Jahren der stiefmütterlichen Behandlung des Online-Kanals  – man war ja schliesslich mal Pionier – kommt irgendwann der Tag der Wahrheit. Die Mitbewerber der Branche sind an einem vorübergezogen, ohne dass man es gemerkt hat. Es ist nur so ein Gefühl, doch als “alter Hase” in der (Nischen-)Branche weiß man irgendwie, dass irgendetwas nicht stimmt.

Die Angst vor der digitalen Veränderung treibt einen um. Dieses “Online-Geschäft”. Teufel noch eins. Erst letztens hat der alteingessene Laden um die Ecke, in dem die eigene Ehefrau Jahrzehnte die Strickwolle gekauft hat, dicht gemacht. Wegen diesen “Online-Shops”. Der stationäre Handel verteufelt weiterhin zum Großteil diesen Wandel und verharrt in seiner Schockstarre.

Nur wenige Projekte wie Atalanda machen es vor, wie der digitale Wandel auch in den lokalen Einzelhandel Einzug erhalten kann. Auch setzen viele Unternehmen statt einem eigenen Online-Shop ausschließlich auf Verkaufsportale wie Ebay, Amazon & Co. Eine durchaus zwiespältige Geschichte mit dem Verkauf der eigenen Seele an die Big Player in diesem Metier.

Der “digitale Mitarbeiter” – Online-Shop

Die Weiterentwicklung um einen herum lässt sich als Unternehmen zumindest nicht aufhalten. Es sei dann man begegnet dieser neuen Herausforderung mit der Investition in die Zukunft. In den “digitalen Mitarbeiter” – den Online-Shop.

Nun, machen wir uns nichts vor. Auch ein Online-Shop braucht ein entsprechendes “Gehalt” gemessen und im Vergleich an dem Umsatz, den er erwirtschaftet. Er braucht “Personalgespräche”, muss also auf den Prüfstand gestellt werden und bedarf einer mindestens gleichwertigen Behandlung seiner Persona, wie es ein Kollege aus Fleisch und Blut auch erfordert. Hierzu sind eben auch – wenn man selbst nicht die Fachkenntnis hat entsprechende Dienstleister oder In-House eine kompetente Person als Partner erforderlich.

Der Online-Umsatz-Kanal braucht einen Personal Trainer

Denn ohne einen menschlichen Partner an der Seite ist jede eCommerce-Strategie kein Selbstläufer. Zumindest irgendwann. Der Online-Shop und auch weitere Online-Kanäle brauchen einen menschlichen Motivator, Personal Trainer oder eCommerce Manager, der den “digitalen Mitarbeiter” versteht, verbessert und seine Leistungen sichtbar macht.

Bis heute werden Shopsysteme oder deren Anbindungen in vielen mittelständischen Unternehmen in der Praxis weitestgehend sich selbst überlassen.

Zieldefinitionen, Zielerreichungen, Relevanzmessung, Updates, Überprüfung der Ausrichtung? Fehlanzeige! Irgendwann kommt in jedem Unternehmen – welches sträflichst in den vergangenen Jahren an der Pflege und Weiterentwicklung gespart hat – das Erwachen! “Ich kenne mich da ja nicht so aus und bisher lief es doch immer. Warum sollen wir daran etwas ändern?”

Server zu alt. Shopsystem nicht aktualisiert. Zugangsdaten nicht bekannt. Mitarbeiter der sich “damit auskannte” nicht mehr da. Dienstleister der das mal installiert hatte nicht mehr vorhanden. Ausreden gibt es viele. Alles schon vorgekommen.

Die Zukunft holt einen ein – schneller als man denkt

Und das dicke Ende kommt am Schluss. Kosten, pardon – Investitionen die man über längere Zeiträume hinweg hierbei eingespart hatte und in der Vergessenheit gerieten, holen ein Unternehmen früher oder später wieder ein, wenn man sich einmal für den Weg des “digitalen Mitarbeiters” entschieden hat. Übrigens nicht nur für den eCommerce Bereich, sondern auch für die interne IT.

Schreibe ich mich in Rage? Ja, nein – vielleicht. Es ärgert mich aus meiner Praxis und besorgt mich über die vielen Unternehmen, welche in diesem Bereich eigentlich und bereits vor Jahren den “richtigen Riecher” gehabt haben. Die Gründe für die Stagnation von Investitionen in diesem Bereich sind hierbei vielfältig:

  • das neue digitale Metier ist nicht bekannt und nicht mehr erfassbar
  • Generationenübergänge stehen an (gerade in mittelständischen Familienbetrieben)
  • das Thema “Ecommerce” wurde komplett verschlafen

Das Thema ist an sich so erschöpfend, dass sich die Digitalisierung der zukünftigen Vertriebkanäle in Ihrer Form und Gänze gar nicht so vollständig erfassen lässt, wie das menschliche Wesen im klassischen Handel es vermag.

Ich selbst bin gespannt, wie und wohin die Reise tatsächlich gehen wird und wie sich heutige mittelständische Unternehmen entwickeln werden.