PferdHaben Sie schonmal ein Pferd von hinten aufgezäumt? Vermutlich nicht. Ich auch nicht. Auch wenn ich mit Pferden nicht viel Erfahrung habe, könnte man vermuten dass das schief geht. Bei diesem Unterfangen einen Huf ins Gesicht zu bekommen, könnte leicht passieren.

Ähnlich sieht es im eCommerce aus

Wer heute einen Online-Shop aufbauen will, hat die Qual der Wahl zwischen zahlreichen Shopsystemen. Hosting oder Cloud. Open Source oder lizensiert. Selbstgebaut oder über einen Dienstleister.

Doch unabhängig davon, welche Anforderungen ein Unternehmen an einen zeitgemäßen und zukunftsweisenden Online-Shop stellt, wollen viele Unternehmen sich erstmal die Frage beantworten, welches Shopsystem eingesetzt werden soll.

Nachdem man sich also durch das Internet und die verschiedenen Foren gewühlt hat kristallisieren sich oftmals ein paar wenige Lösungen heraus. Dabei bleibt es oftmals bei dem „Gefühl“, dass „der Shop“ die richtige Lösung für eine langfristige Strategie sein wird.

Doch weit gefehlt. Denn zu Beginn sollte man nicht nach dem schönsten Pferd im Stall (oder doch?), sondern nach dem Passenden suchen.

Anforderungen definieren!

Natürlich. Was sollte der Shop können? Die Suche soll oben rechts platziert sein. Der Shop muss Responsive sein. Und der Kunde muss seine bisherigen Bestellungen im Kundenkonto einsehen können…

Das können heute alle Shopsysteme, oder sollten es zumindest können. Die Definition entsprechender Anforderungen ist nur ein Kratzen an der Oberfläche des Eisbergs. Doch das allein reicht heute nicht mehr!

Vielmehr liegt der Erfolg in den Details und in der vorausschauenden Weitsicht aller relevanten Anforderungen und derer, die noch kommen können. Die Auswahl von Mitarbeiter wird ja ebenfalls nach sehr konkreten Kriterien getroffen.

Struktur, technische Basis, Bedienung, Anbindung an ERPs, Updates, Service & Support, individuelle Anpassungen und Funktionserweiterungen sollten bei der Auswahl des richtigen Shopsystems nicht nur oberflächlich sondern umfassend und in die Zukunft gerichtet betrachtet werden.

Auch betriebswirtschaftlich bestehen zahlreiche Fragestellungen, wie sich die Kosten / Investitionen für den Betrieb des Shopsystem auf die kommenden Jahre entwickelt.

Von vorne anfangen – statt von hinten

Statt also das Pferd mit dem Sattel (=> Shopsystem) von hinten aufzuzäumen sollte man den Blick und die Anforderungen von vorne beginnen: Wesen, Charakter, Muskulatur, Leistung, Ausdauer, Tragfähigkeit, Kraft und Aussehen sind wichtige Punkte, die nicht nur für ein Pferd sondern im übertragenen Sinne auch für einen Online-Shop gelten.

Hierbei bedarf es einer strukturellen und umfassenden Konzeption, um möglichst alle Gegebenheiten und Anforderungen für alle Beteiligten zu definieren. Das kostet Zeit, Geld und Gehirnschmalz. Aber es lohnt sich. Denn nur dadurch erhält das Unternehmen und der Dienstleister ein klare Vorstellung davon, was der Online-Shop wie können muss.

Die Basis ist das Fachkonzept

Auf Basis eines Lastenheft und einem möglichen Solution Design, erfolgt ein Fachkonzept, welches in detaillierter Form die Umsetzung einer neuen eCommerce-Lösung definiert. Das was dort drin steht wird umgesetzt, bzw. nur auf dessen Basis kann eine möglichst genauere Kalkulation der Umsetzung erfolgen.

Selbstverständlich ist auch hierbei nicht alles in Stein gemeißelt. Doch es hilft sehr, um später auftretende Unklarheiten und Probleme von Beginn an zu vermeiden.

Papier ist geduldig

Ein Konzept ist ein Konzept. Die Praxis sieht manchmal nachher ganz anders aus. Denn oftmals ergeben sich während der Umsetzung noch neue Ideen und Anpassungen. Und das ist gut so. Doch die Basis ist vorhanden und klar definiert.

Auch wenn alle Shopanbieter generell damit werben, dass ein Online-Shop schnell und einfach umgesetzt ist, steckt der Teufel im Detail. Der schnelllebige Online-Handel suggeriert, dass alles mit einem Fingerschnipps umgesetzt ist und funktioniert.

Doch dem ist ohne Ausnahme nicht so. Egal ob man Amazon, Ebay, ein namhafter Online-Händler oder der mittelständische Versandhandel ist. Wer seine Anforderungen vorab klar definiert und diese entsprechend umsetzt wird das bekommen, was er definiert hat.

Fazit

Vor der Auswahl eines Shopsystem sollte man genügend Zeit investieren, sich mit der Thematik eCommerce auch entsprechend zu beschäftigen. Nur so kann man langfristig erfolgreich sein. eCommerce muss entsprechend in die Strategie und den Vertrieb des Unternehmens eingebunden werden und dessen Vorteile auch für den klassischen Handelsbereich genutzt werden.

Dann ist ein Online-Shop auch da wo er sein soll und kann seine Wirkung entfalten.