Mensch TypenOnline-Shops werden von Menschen gemacht und von Menschen “betrieben”. Ob als einzig vorhandener Umsatzkanal oder in Ergänzung zu den bestehenden Handelsstrukturen. Dabei spiegelt sich der Charakter und das Wesen der Menschen hinter dem Online-Shop auch in der eCommerce-Strategie wider.

Hierbei habe ich mich nicht den menschlichen Charaktertypen der Psychologie angelehnt.
Dafür ist das Thema zu digital.

Und deshalb ist die Klassifizierung von Shopbetreibern in einzelne Charakter-Typen natürlich nicht ganz ernst gemeint. Aber vermutlich wird sich dennoch der ein oder andere Shopbetreiber auch in einem Mix der Typen wieder erkennen.

Die Auflistung der “Charaktere des eCommerce” ist eine Hommage an die vielen Shopbetreiber welche sich in diesem Internetz tummeln und den großen Unternehmen die Stirn bieten. Die Idee der “10 Typen der Shopbetreiber” ist eine Parodie und gleichermaßen ein Abbild der Realität, welche Agenturen und Dienstleistern immer wieder begegnen.

Der Überflieger

Als quasi Zeitmaschine immer einen Schritt voraus stellt er die Weichen der digitalen Entwicklung in seiner Branche. Jede Neuerung, jede Zusatzfunktion ist “seins” und wird sofort im eigenen Online-Shop ausprobiert und getestet. Dabei stellt er den Rekord der meist installierten Plugins auf und ist sich auch nicht zu schade dafür, Risiken einzugehen.

Statt Datensicherung und Planung ist der schnelle Livegang Trumpf. Nur so ist man der Konkurrenz einen Schritt voraus. Pragmatisch und mutig werden neue Ideen und Geistesblitze in Rekordzeit umgesetzt.

Wenn das gewünschte Ergebnis allerdings mal nicht klappt ist der Hype um die neue Funktionserweiterung schnell verflogen und die Umsetzung ggf. klammheimlich einfach wieder rückgängig gemacht.

Jedoch ohne sich die Fragen des Scheiterns und Misserfolgs zu stellen. Denn Erfolge mit der mutigen und pionieristischen Art hat er ja genug. Wenns gefällt, wird investiert.

Die Strategie kann aufgehen. Doch obacht! Nicht jeder Hype ist sinnvoll.
Wer hoch fliegt, der tief fällt.

Der Realist

Kommt Zeit, kommt Investition. Im Einklang mit dem Unternehmensgefüge besteht ein Online-Shop und eine mehr oder weniger zukunftsweisende Strategie. Das, was im Hier und Jetzt Sinn macht, wird umgesetzt. Aber nicht mehr. Nicht jedem Hype der Branche hechelt er hinterher, sondern betreibt den Weg zum Ziel mit Sinn und Verstand.

Doch einen mutigen Weitblick lässt er dennoch vermissen. Ein bisschen mehr Investitionsmut und Zukunftsperspektive würde ihm vermutlich gut tun. Schliesslich ist er nicht alleine auf der Welt und in seiner Branche. Wo andere bereits die Hypes filtern und durch eigene Inspirationen das Thema eCommerce aktiver angehen, hat er das nachsehen. Denn die Zukunft gehört den Mutigen.

Dennoch setzt er auf ein gesundes Wachstum und eine ausgewogenen Balance von heute und morgen.
Hoffentlich überholt ihn die Entwicklung nicht.

Der Kommunikator

Content ist King. Hat er mal gehört. Also auf geht’s zum Content produzieren (oder hies es Kontent?) und Automatismen zu implementieren, um in möglichst vielen Social Media Kanälen mitzuspielen in denen sich potentielle Kunden tummeln könnten. Von Facebook und Twitter zu Pinterest und Instagramm wird selbstredend alles vernetzt was irgendwie möglich ist.

Selbstredend, dass natürlich auch die Produktbeschreibungen mindestens 500 Wörter umfassen und weiterführende Informationen in vier zusätzlichen Tabs untergebracht sind (Klick dir ‘nen Wolf).

In der FAQ wird jede noch so dämliche Frage der Kunden aufs Kleinste dokumentiert und ausführlich erläutert und erklärt. Am besten noch mit einem Homebrew Video mit der Kamera aus dem Nokia von 2012.

Auf der Bestellstrecke dürfen natürlich die obligatorischen Trusted Zertifikate und SSL Icons nicht fehlen. Vertrauen und Content sind schließlich Trumpf.

Vor lauter Content vergisst er aber den Kunden und die Prozesse des eCommerce. Erreichbarkeit, Service, Retourenabwicklung? Nunja, da ist noch Luft nach oben. Aber Content ist King.

Der Konservative

Ja nee. Das machen wir nicht aktiv. Der Shop ist so wie der Shop ist. Denn haben wir erst vor 7 Jahren installiert. Da bestellen nur die neumodischen Kunden, welche das Telefon nicht mehr bedienen können.

Für was hat er denn auch seine Mitarbeiter? Die Auftragsannahme schnöder Artikel auf persönlicher Basis – sei es per Telefon, Fax oder E-Mail – sind seine höchste Prämise. Für was bezahlt er denn sonst die Mitarbeiter. Eine Weiterentwicklung in diesem “iiKommörs” sind nicht wichtig. Geschäfte wurden schon immer von Mensch zu Mensch gemacht. Und die Beratung gibt’s obendrein gratis dazu.

Doch ist das denn wirklich so? Er verschläft im schlimmsten Fall den digitalen Wandel zwischen den Generationen. Gut, wer kurz vor der Rente steht und 40 Jahre Erfahrung in der Branche hat, dem ist da vielleicht (?) nicht mehr zu helfen.

Dabei kann er gute Gründe haben reserviert gegenüber der Thematik zu sein. Steht jedoch ein Generationenwechsel und eine Betriebsübernahme an, sollte er sich zumindest ein paar Gedanken über die Zukunft des Unternehmens machen.

Die Konkurrenz schläft jedoch nicht und somit nimmt er sein mühsam aufgebautes Unternehmen am Ende vielleicht mit ins Grab. Das wäre bei vielen Unternehmen schade.

Der Außendienstaffine

Gut versteckt und womöglich erst vollumfänglich nutzbar mit einem Login baut er eine Barriere um sein geschütztes Reich – den Online-Shop. Schließlich sollen die Außendienstler ja verkaufen. Für ihn steht der Mensch an der Front im Vordergrund.

Und bloß nicht diesen “Shop” kommunizieren! Der Außendienstmitarbeiter soll ja auch schließlich für sein Geld arbeiten und die Bestellungen entgegennehmen und diese dann selbst in das ERP eingeben.

Der Online-Shop ist ja nur nebenbei installiert worden, weil das ERP das ja gleich so ein bisschen mit abbilden kann. Sonderpreis versteht sich. Nunja, die Bedienerfreundlichkeit lässt zwar zu wünschen übrig und die Suche in den 30.000 Produkten ist unterirdisch langsam, aber dafür können ja die Außendienstmitarbeiter die Kunden mit den gedruckten Katalogen umfassend vor Ort beraten.

Kein Wunder, dass Bestellungen dann auch nur telefonisch über den Außendienst erfolgen und ein zeitgemäßer Online-Shop für die Händler nicht weiter entwickelt wird. Schließlich ist dafür ja der Dienstleister aus dem ERP Umfeld zuständig.

Eigentlich hat er das Potential beide Welten miteinander perfekt zu ergänzen.

Der Früh- bzw. Spätzünder

eCommerce? Ja! Einen Shop hat er. Aber der läuft nicht sonderlich gut. Obwohl der Online-Shop schon seit 2008 als einer der Ersten in Branche am Start war. Weitere Investitionen hat er bisher nicht getätigt. Warum auch? Der Shop läuft nicht sonderlich gut. Und außerdem hat der Sohn eines Bekannten damals 3.000,- Mark dafür verlangt. Dass muss sich erstmal rentieren. Ein Henne-Ei Problem.

Doch die Entwicklung der letzten Jahre hat er verpasst. Erst in den kommenden Jahren wird er merken, dass die Mitbewerber schon längst die Zeichen der Zeit erkannt haben und zusätzlich zu den bestehenden klassischen Vertriebskanälen die Zeichen der Zeit erkannt haben.

Die Stammkunden halten ihm “die Stange” und bestellen treuherzig auch über den Shop. Schließlich kennen sie dessen Bedienung mittlerweile in- und auswendig. Neukunden finden es grauslig und sind abgeschreckt im Vergleich der zeitgemäßen Lösungen der Mitbewerber.

Eigentlich hatte er von Beginn an alles richtig gemacht aber sich dann nicht mehr weiterentwickelt. Hoffentlich ist es dafür nicht zu spät.

Der Vergessliche

Shop? Ah ja, Shop. Da war doch was. Wer war nochmal dafür zuständig? Ja, der Herr Meier. Der ist schon lange nicht mehr in der Firma. Einen Nachfolger gibt es nicht. Vor lauter internem “Geraffel” fristet der Online-Shop ein tristes Dasein – wenn die Subdomain nicht sogar schon auf “Der Shop ist derzeit in Bearbeitung” gesetzt wurde.

Die Google AdWords Kosten welche vor einigen Jahren bei der SEO Agentur “Schwarzes Schaf” beauftragt wurden, tickern monatlich als durchlaufender Posten durch das Unternehmensgefüge. Im schlimmsten Fall ohne ersichtlichen und messbaren Erfolg.

Wenn er sich nicht bald seiner Investition und Potentiale besinnt, wird auch er vergessen werden.

Der Messende

Conversions, Klicks, Umsatz. Diese Welt ist für ihn wie gemacht. Akribisch wird ausgewertet und interpretiert. Monat für Monat, Woche für Woche der Erfolg und Misserfolg gemessen. Doch er lebt im Hier und Jetzt. Zahlen lügen nicht. Die Zukunft ist für ihn nicht vorhersehbar. Entwicklungen und Investitionen werden nur auf Basis vorhandener und mehrfach bestätigter Werte getätigt.

Dabei skaliert er natürlich auch den Invest, hält das Risiko aber so klein wie möglich. Mit den Scheuklappen wird er aber nicht den Erfolg verbuchen, der ihm eigentlich gebührt. Im Gegensatz zu anderen eCommerce-Charakteren hat er die Zahlen und Ergebnisse viel mehr im Blick.

Nimm die Glaskugel der Zahlen und Prognosen und “mach was draus”, kann man nur sagen. Öffne den Horizont und schaue über den Tellerrand.

Der no-Shoper

Ja, einen Online-Shop hat er. Aber lieber steht er auf Bestellungen per Fax. Das ist sicherer und verbindlicher. Panisch wird der Kunde angerufen, wenn er sich bis zum “Kaufen”-Button verirrt hat. Das macht er dann lieber abschließend persönlich am Telefon.

Selbstverständlich hat er den Shop nicht an das Warenwirtschaftssystem angebunden. Nicht auszudenken, dass die Daten zwischen den Systemen ausgetauscht werden. Das Sicherheitsrisiko wäre in Anbetracht der ohnehin lückenhaften IT-Struktur exorbitant.

Außerdem weiß er die Zugangsdaten zum Backend sowieso nicht mehr. Seit der Dienstleister damals den Shop aufgebaut hat ist dieser nicht mehr erreichbar.

Bei den paar Bestellungen pro Jahr werden die Aufträge ohnehin noch von Hand in das DOS Programm eingegeben.

Da fehlt doch einer?!

10 Charaktere sollt ihr sein, doch zählen kann ich nur neun. Wer hat mitgezählt? Einer fehlt.
Fällt jemanden noch ein passender Charakter im Gefüge ein? Dann her damit und in die Kommentare schreiben!

Fazit

Auch wenn die genannten Charaktere nicht ganz ernst gemeint sind, steckt doch ein Funken Wahrheit darin. Die schnelle Entwicklung des eCommerce stellt viele Unternehmen und Shopbetreiber auch weiterhin vor Herausforderungen. Jeder heutige Shopbetreiber hat unabhängig vom eigenen Wesen und der Unternehmensführung ein Potential den richtigen Weg für sich zu finden.

Offenheit, Mut, Weitblick, Planung, Investitionslust und Ausdauer sind wichtige Faktoren die einen zukünftigen Erfolg im eCommerce ausmachen. Ganz gleich ob man sich oben wieder erkennt.